Mein lieber Leser,

ist dir ein solches Straßenschild auch schon aufgefallen, auf der Fahrt durch Österreich, über den Brenner? „Kettenanlegeplatz“. Was hast du dir dabei gedacht? Also ich habe mir bereits beim allerersten Mal, als ich in meiner sehr frühen Teenagerzeit mit meinen Eltern ein solches Schild passierte, spezielle Gedanken gemacht und ein Kribbeln zwischen meinen Beinen gespürt… Ist das normal? Oder bin ich nicht normal?*

Jetzt war ich wieder in Österreich unterwegs, und die Kettenanlegeplätze ließen mir keine Ruhe. Und so fand ich auf der Suche nach einer Antwort eine weise Frau, die mir die Sache erklären konnte.

„Vor vielen Jahrhunderten, als die Täler dünn besiedelt und wegen fehlender Verkehrsmittel voneinander abgeschieden waren, da wussten die Menschen bereits um die daraus resultierenden Risiken“. Ich hatte erstmal nichts kapiert, aber die weise Frau lächelte milde und erklärte mir die Verkehrsproblematik: „Kindchen, wenn immer die Vettern die Basen heiraten und der Knecht maximal mit der immer gleichen Bäuerin fremdgeht, dann sind bald alle im Tal irgendwie miteinander verwandt und das ist nicht gut“. Das verstand ich natürlich sofort, wegen der genetischen Vielfalt und der Abwechslung sowieso😉. „Es bestand also die unbedingte Notwendigkeit, die taleigenen Mädels irgendwie von talauswärts schwängern zu lassen“. Aha, so einfach kann das zusammengefasst werden. „Und dafür“, fuhr die weise Frau fort, „entwickelten sich bestimmte Bräuche und Riten. So ganz problemlos war die Fremdschwängerung nämlich nicht umzusetzen, wegen der Moralvorstellungen, geprägt durch die damals allmächtige Kirche. Freiwillig durften sich die Mädels fremden Männern natürlich nicht hingeben! Und so wurden mehrfach im Jahr an den Talausgängen ritualisierte Entführungen der heiratsfähigen jungen Mädchen durch die Burschen der nächsten oder übernächsten Täler simuliert. Da konnte die Kirche nichts sagen: die Burschen beichteten das ja nun nicht gerade, und die Mädchen konnten schließlich nichts dafür, dass sie angekettet und verschleppt wurden. Das Anketten fand an bestimmten Treffpunkten statt, eben den Kettenanlegeplätzen. Die Mädchen trugen Halsbänder und wurden mithilfe von Ketten angeleint und mitgenommen. Bis heute ist es ja ein guter Brauch, dass man(n) mit halsbandtragenden Frauen (fast) alles machen kann!“ – Atemlos hörte ich zu und verspürte wieder das bekannte Kribbeln zwischen meinen Beinen. „Und was passiere dann mit den Mädchen?“ – Das ist doch klar! Die wurden über die nächsten paar Tage, meist ein verlängertes Wochenende mit Brückentag, einfach richtig durchgevögelt. Nicht alle dabei praktizierten sexuellen Aktivitäten dienten direkt der Fortpflanzung, aber viele Mädchen wurden direkt bei ihrer ersten Orgie schwanger. Die glücklichen, die nicht schwanger geworden waren, waren beim nächsten Mal wieder dabei, dann allerdings meistens mit den Burschen aus einem anderen Tal.“ – Aha, genetische Vielfalt und Abwechslung.  „Und heutzutage?“, fragte ich. – „Heutzutage ist das natürlich eigentlich alles nicht mehr notwendig. Jeder darf überall hin, alles ist offen… Aber die Pflege unseres Brauchtums wird hochgehalten! Und deshalb gibt es nach wie vor die Kettenanlegeplätze“.

Jetzt weiß ich endlich,  was es mit den Kettenanlegeplätzen auf sich hat! Und du, mein lieber Leser, weißt es nun auch.

Deine manchmal auch ganz schön sehr angekettete jane.s

*PS: Ich bin natürlich nicht normal. Kannst du ausprobieren!

Bildquelle: DR